Investmentbanker statt Steuerzahler

Zur aktuellen Finanzkrise bzw. Bankenkrise wird viel berichtet, wobei es oft mehr um emotionale Prognosen als um Fakten und Ableitungen daraus ging. Dabei ist Wirtschaft eigentlich ganz einfach. Wenn die verantwortlichen Manager die kurzfristige Rendite über alles stellen (Shareholder orientiert), müssen diese Unternehmen nun eben Verluste einfahren.

Die Ethik des Unternehmens besteht darin, den Profit zu steigern.
Milton Friedman (Nobelpreisträger für Wirtschaft)

Wenn Banken also mit sicheren 5+% auf Tagegeld oder Festgeld locken, müssen diese selbst damit eben 10% und mehr erwirtschaften. Das setzt höheres Risiko (im Klartext: Verlustrisiko) voraus. Risiko bedeutet, möglicherweises Eintreten einen unsicheren Ereignisses. Also wird ein vernünftiger Unternehmer zwischen Risiko und Potential abwägen. Offensichtlich haben sich nun etliche Banken ordentlich verzockt. Verluste sind die Folge.
Denn offensichtlich haben gesellschaftspolitische, soziale Belange im Sinne eines bestmöglichen Interessenausgleichs zwischen Unternehmen, Staat und Mitarbeiter (Stakeholder orientiert) keine Befürworter mehr.

Man verliert das Gefühl für Summen, wenn man in diesem Beruf arbeitet. Man lässt sich ein bisschen davontragen.
Jérôme Kerviel (bracht seiner Bank nahezu 5 Milliarden Euro Verluste)

Der „Airbag“ der Regierung = Steuerzahler

Doch das Rettungspaket der Bundesregierung bringt die eingangs skizzierte Korrelation nun aus dem Ruder. Nicht zuletzt auch deswegen, da genau diese Verantwortlichen bei jeder möglichen Gelegenheit fordern, der Staat solle sich aus der Wirtschaft raushalten. Schließlich bekommt der Staat bei glücklichen Spekulationen mit sehr hohen Gewinnen auch keinen Extraanteil, quasi als Notfonds gewidmet.

In Amerika hat das dortige Rettungspaket gleich mal zu einer rauschenden Vorstandsparty geführt. Nach Monitor vom 16.10.2008 umfassten allein die Kosten für „Massagen“ ca.23.000 Dollar.
Nun kauft der Staat mit 500 Milliarden Euro Steuergeldern (wieviel wird eigentlich für Bildung ausgegeben?) meist wertlose Papiere und Anteile an verzockten Bankgeschäften (so genannte „bad banks“). Kein vernünftiger Bürger würde sowas kaufen. Auch reagiert die Börse bislang kaum. Übrigens wird auch das Rohöl deutlich günstiger, wenngleich hier wieder nur ein kleiner Bruchteil an den verbraucher weitergegeben wird. Aber laut Monitor vom 16.10.08 kommt es noch besser: der Saat verzichtet explizit dabei noch auf Mitsprache- und Entscheidungsrechte gemäß der erworbenen Anteile. Welche Interessen werden hier eigentlich vertreten?

Fazit

Und das alles, weil sich die Banken gegenseitig nicht mehr vertrauen.

Buchtipp

Ein exzellentes Buch über Werte, Moral, Wirtschaft, die aktuelle Krise, Klimaveränderung und und und hat Daniel Goeudevert (ehemaliger Vorstandsvorsitzender u.a. von Ford) mit dem Titel „Das Seerosen-Prinzip – Wie uns die Gier ruiniert“ veröffentlicht. Lesepflicht – nicht nur für Manager. Danke Rudi!

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Ein Kommentar zu »Investmentbanker statt Steuerzahler«

  1. 1 Robert Hartl

    Der Etat für Forschung und Bildung beträgt etwa 10 Mrd. Euro.

    Nebenbei sind folgende Posten dazu laut beschlossenem Haushalt:
    – Rentenversicherungszuschüsse 80 Mrd. Euro
    – Zinsen wegen Staatsverschuldung: 50 Mrd Euro

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